Wasser, Wald, Wonne: Mit dem Rad zur „jrünen“ Seite Berlins

Immer wieder bemerken Neu-Berliner, wie grün die Stadt ist. Nicht nur die vielen Parks und Straßenbäume sondern vor allem die ausgedehnten Forste im Norden, Süden, Osten und Westen sind es, die der Hauptstadt so viel Natur verschaffen: Mit S+U-Bahn sind sie einen Katzensprung entfernt. Railtripping nimmt Dich mit auf zehn Wanderungen und Radtouren durch die dichten Wälder, entlang erfrischender Seen, schlängelnder Bäche und historischer Kanäle. Entdecke die „jrüne“ Seite der Metropole, wie der Berliner sagt.

Die blauen und grünen Seiten der Hauptstadt

Tour 1: Über die Müggelberge

Mit der Fähre in Grünau schipperst Du über die Dahme mit ihren berühmten Wassersportclubs und der Regattastrecke in die Villensiedlung Wendenschloss. Dein Fahrrad kannst Du auf allen Fähren Berlins mitnehmen, wenn genug Platz ist. Am Ufer des Langen Sees geht es an den historischen Ausflugsgaststätten vorbei zu einem verborgenen Waldstrand. Eine Treppe oder eine Serpentinenstraße führt zum Müggelturm hinauf, von wo Du einen herrlichen Blick auf die ausgedehnten Köpenicker Wälder und das ganz fern wirkende Berlin hast. Auf dem benachbarten Gipfel ist noch der Stumpf des einst hier geplanten Berliner Fernsehturms. Spüre am nebeligen Teufelssee die alten Sagen nach. Von der Ausflugsgaststätte Rübezahl geht es am Großen Müggelsee entlang zum Spreetunnel. Auf der Friedrichshagener Seite hast Du einen großartigen Blick auf Müggelturm, Müggelberge, Müggelsee und auf die Müggelspree, in die abends die rote Sonne versinkt.

Die ganze Tour findest Du im separaten Ausflugstipp „Die drei Seen der Müggelberge

S Grünau (S46 S8 S85) – S Friedrichshagen (S3): 13 km, orange Tour auf der Karte

Tour 2: Die beiden Müggelseen

Vom gleichnamigen S-Bahnhof geht es durch den Hirschgarten an der Müggelspree entlang zum Müggelpark Friedrichshagen. Hier haben wir einen großartigen Blick auf das, das uns bevorsteht: Eine Runde um den südlichen Müggelsee zu Füßen der Müggelberge mit dem markant-modernen Müggelturm. Durch den Spreetunnel geht’s auf die Südseite. Gleich rechts ein paar schöne Badestellen am Spreeufer. Links entlang führen Wanderweg und Radweg um’s Seeufer herum. Die Route ist Teil des Europaradweges R1 von London nach Moskau und Helsinki. Wir kommen an den Ausflugslokalen Rübezahl und Müggelseeperle vorbei. An den Stegen halten die Ausflugsdampfer der Stern- und Kreisschifffahrt. An den Bootsverleihen gibt’s Jollen, um in See zu stechen. Und zwischendrin immer wieder kleine Sandstrände. Steil bergab führt der Waldstrand am Kleinen Müggelsee.

In der Gaststätte Neu-Helgoland kannst Du die Schiffe vorbeiziehen sehen. Und nach Rahnsdorf setzen die BVG-Solarfähre und die BVG-Ruderfähre hinüber. Nun geht es durch das alte Fischerdorf ins von Kanälen durchzogene Klein-Venedig. Die Rialtobrücke entspricht vielleicht nicht ganz ihrer italienischen Namensvetterin. Durch Wilhelmshagen geht’s in die Püttberge zu den größten Sanddünen in Berlin und Brandenburg. In Woltersdorf folgen wir den Gleisen der historischen Straßenbahn bis zur Schleuse. In den Wäldern und an den Ufern sollen sich noch UFA-Filmkulissen befinden. An Flakensee und Löcknitz geht’s schließlich nach Erkner.

S Hirschgarten (S3) – S Erkner (S3): 24 km, dunkelgrüne Tour auf der Karte

Tour 3: Durchs liebliche Erpetal

Eine richtige Überraschung ist das kaum bekannte Erpetal. Das Flüsschen mündet nahe der Altstadt Köpenick in einen alten Spreearm. Zunächst geht es durch den Bellevuepark mit seiner 270 Jahre alten Eiche. Durch Hirschgarten schängelt sich das Fließ versteckt an alten Buchen und Weiden vorbei. Ein schmaler Fußweg folgt dem Flusslauf. Hinter der Bahnbrücke öffnet sich das Tal zu einer weiten Weidelandschaft der Erpewiesen. Ab und zu ein paar aufgestaute Stromschnellen. Hier und da eine Picknickbank. An der Heidemühle verschwindet der Weg im Wald. Immer wieder blinzelt das Gewässer zwischen den Bäumen hervor. Ganz romantisch überquert das wackelige, hölzerne Wernergrabenbrücklein einen Seitenarm. Sodann führt durch den Lenné-Park des Schlosses Dahlwitz. Schließlich endet die Tour an der Trabrennbahn, die Hoppegarten ihren Namen gab.

Du kannst der sich immer weiter verjüngenden Erpe noch bis Neuenhagen und durch den Wiesengrund zur mittelalterlichen Altstadt Altlandsberg folgen. Es geht dann über die angrenzenden Nebenstraßen, weil es hier keinen Uferweg mehr gibt. Von Fredersdorf oder Strausberg fahren die S-Bahnen zurück nach Berlin.

S Köpenick (S3) – S Hoppegarten (S5): 15 km, violette Tour auf der Karte

Kaum jemand kennt’s: Das Neuenhagener Mühlenfließ (kurz: Erpe) schlängelt sich sanft von Altlandsberg an der Trabrennbahn Hoppegarten vorbei, durch die Wiesen und Weiden bei Friedrichshagen, bis es in Alt-Köpenick in die Spree mündet.

Tour 4: Die Wuhle entlang

Endstation Ahrensfelde: Die Tour beginnt inmitten der Plattenbauten, mit denen Ost-Berlin in den 1970ern und 1980ern großflächig nach Osten gewachsen ist. Hier fuhr bereits die S-Bahn die Bauarbeiter auf die Baustelle. An der Straßenbahnschleife vorbei geht es mit dem Fahrrad oder zu Fuß ins Wuhletal, das in ganzer Länge Marzahn von Hellersdorf trennt. Im Eichepark probieren sich am Wuhletalwächter Kletterer sich probieren. Die Ahrensfelder Berge (114 m) waren die Bauschuttkippen der Neubaugebiete. Heute sind sie zum Landschaftspark mit Aussichtplattform umgestaltet.

Koreanischer, chinesischer, japanischer, christlicher Garten: Vorbei geht es an den Gärten der Welt zum Kienberg (102 m). Die zur internationalen Gartenschau errichte Seilbahn führt immer noch auf die modernistische Aussichtsplattform Wolkenhain auf dessen Gipfel. Eine Holzbrücke überquert den Wuhleteich mit seinem rauschenden Schilf. Der lang gestreckte Holzsteg lädt zum Beine baumeln ein.

Auf der anderen Seite des gleichnamigen S+U-Bahnhofs verjüngt sich das Wuhletal. Es führt nun zwischen den Einfamilienhausgegenden von Biesdorf und Kaulsdorf hindurch nach Köpenick. Nahe des (durch die Fans erbauten) Stadions Alte Försterei des FC Unions mündet die Wuhle schließlich in die Spree. Auf der anderen Spreeseite thront das alte, wuchtige Werksgebäude von Wilhelm Spindlers Wäscherei und Färberei. Ab 1873 errichtet war es damals der größte deutsche Wäschereibetrieb und der Vorreiter der chemischen Reinigung in Deutschland (später Schering, zu DDR-Zeiten VEB Rewatex). Das in den 1990ern geschlossene Werk wird nun zu Wohnungen umgebaut. Auf der alten Werksbahn fährt die S-Bahn aus Spindlersfeld zurück in die Innenstadt.

S Ahrensfelde (S7) – S Spindlersfeld (S47): 21 km, blaue Tour auf der Karte

Tour 5: Vom Tegeler Fließ zum Tegeler See

Vom S-Bahnhof Blankenburg geht es am Nordgraben entlang zum Botanischen Volkspark. Auf dem Gelände des einst größten Schulgartens Berlins – gepflegt von den Thälmannpionieren – gibt’s denkmalgeschützte Bau- und Gartenkunst vom beginnenden 20. Jahrhundert, verschiedene Schaugewächshäuser, eine geologische Wand aus den Gesteinsschichten der Erdkruste und ein charmantes Gewächshaus-Café. Über die Weiden und Felder geht’s zum Stadtgut Blankenfelde inmitten des historischen Dorfkerns. Vom Aussichtspunkt Köppchensee mit Blick auf die alten Tongrubenseen an folgen wir dem schlängelnden Tegeler Fließ. Vorbei am Freizeitpark Lübars über Flure und Felder ins alte Bauerndorf. Richtig schön mit Stuck und Deckenmalerei hat sich der historische Festsaal im alten Dorfkrug herausgeputzt (LabSaal).

Der Weg führt weiter am Ziegeleisee und Hermsdorfer See unter der Nordbahn hindurch (Anschluss zur S1 Waidmannslust) zur Fließtalbrücke. Nahe dem Holzsteg weiden Wasserbüffel in den Feuchtwiesen. Einen Kilometer weiter haben Biber mit einem Damm das Fließ gestaut.

Es wird wieder städtischer, wir sind in Tegel. Das Schloss war das Elternhaus der Brüder Humboldt. Wilhelm von Humboldt lies das einstige kurfürstliche Jagdschloss von Karl Friedrich Schinkel zu einem Musterbau klassizistischer Architektur umbauen. Peter Joseph Lenné legte ebenfalls in den 1820ern den Schlosspark neu an. Am Ende der langen, gradlinigen Lindenallee steht die 400jährige Humboldt-Eiche, in deren Nähe sich die Familiengrablage befindet.

Radtour am Ufers des Tegeler Sees, Berlin
Am Ufer des Tegeler Sees (Foto: Eileen Obst)

Am ehemaligen Tegeler Hafen geht’s seewärts zu den Anlegern der Ausflugsdampfer und zum traditionellen Restaurant Seeterrassen. Von der Uferpromenade geht’s über die Sechserbrücke Richtung Tegeler Forst. Am Eingang in den Wald empfängt die „Dicke Marie“ die Besucher. Es ist Berlins ältester Baum (von 1192 und damit älter als Berlin selbst) und bekam seinen Namen von den Humboldt-Brüdern (es war die Köchin). Auf dem Weg nach Tegelort, wo der Tegler See in die Havel mündet, laden immer wieder große und kleine Waldstrände zum Baden, Picknicken und Verweilen ein. Eine private Autofähre führt nach Spandau hinüber und eine lange Uferpromenade führt ins alte Dorf Heiligensee mit seinem Restaurant im alten Straßenbahndepot.

S Blankenburg (S2 S8) – S Waidmannslust (S1 S26) S Heiligensee (S25): 35 km, pinke Tour auf der Karte

Tour 6: Vom Briesetal zum Liepnitzsee

Wir folgen vom S-Bahnhof Birkenwerder der Nordbahn bis zum Boddensee mit seinem Sonnenuntergangsrestaurant auf der Seeterrasse. Am Waldbiergarten Briesekrug beginnt das wildromantische Briesetal. Hier schlängelt sich das schmale Fließ durch Wald und Wiesen. Mal feuchte Erlenbrüche, mal trockene Nadel- und Mischwäldern. Im Frühjahr schmücken blau leuchtende Leberblümchen den Waldboden, im Sommer breitet sich die Krebsschere als Blütenteppich im Bachbett aus. Ganz gelb stechen die Blüten der Schwertlilie hervor. Knüppeldämme stauen das Wasser auf: Die Biber waren am Werk. Vielleicht zeigen sich Eisvögel. Nur ein enger Fußweg führt am Ufer entlang (bei vielen Spaziergängern besser Fahrrad schieben). Es ist eines der schönsten Bachtäler in der Mark Brandenburg – und führt bis zur Zühlsdorfer Mühle.

Von hier geht’s auf der Chaussee am Rahmersee und Wandlitzer See entlang. Im alten Dorfkern Wandlitz zeigt das Naturparkzentrum Landschaft und Landwirtschaftsleben des Barnims. Nebenan der Biobauernhof mit Hofladen. Großer kleiner Bahnhof für Besucher ist der Haltepunkt Wandlitzsee. Ein eindrucksvolles Entrée an der Heidekrautbahn zum gegenüberliegenden Strandbad. Etwas entfernt an der Bundesstraße nach Bernau befindet sich die legendäre Waldsiedlung Wandlitz, in der die Mitglieder und Kandidaten des DDR-Politbüros wohnten. Eine kleine Stadt mit eigener Versorgung, eigenem Klubhaus und Kino, mit Schwimmhalle und Schießstand für die DDR-Regierenden.

Einer der beliebtesten Seen Brandenburgs ist der Liepnitzsee, der sich wie eine Rinne durch den hügeligen Wald zieht. Inmitten eine lang gestreckte Insel, die nur mit der Fähre zu erreichen ist. In Uetzdorf gibt’s zwei kleine Gaststätten mit typisch märkischer Küche. Gleich nebenan der Waldhof Bogensee: Zunächst Joseph Goebbels eigens errichteter Landsitz und später FDJ-Jugendhochschule. Zwischen Obersee und Hellsee thront das Renaissance-Schloss Lanke mit seinem Lenné-Park.

Ein bemerkenswerter Ort ist Lobetal mit den Hoffnungstaler Werkstätten. Hier erhalten suchtkranke, seelisch, geistig oder körperlich behinderte Menschen eine Lebensperspektive. Bereits 1905 hat Pastor Friedrich von Bodelschwingh auf einem gepachteten Gut eine Arbeiterkolonie für Berliner Obdachlose eingerichtet – nach dem Motto „Arbeit statt Almosen“. Teil der heutigen Hoffnungstaler Stiftung Lobetal mit ihren Werkstätten, Bildungsangeboten, medizinischen Einrichtungen ist die Bio-Molkerei, deren Milchprodukte wir aus vielen Berliner Supermärkten kennen. Die vier Landwirtschaftsbetriebe und der Gartenbau haben auf Bio-Standards umgestellt – mit sozialer Prägung. Mit dem Lutherapfel, von dem es exakt 95 Bäumchen gibt, setzt sie ein kulturbewahrendes, diakonisches Zeichen. Und auch die Hoffnungstaler Fahrradwerkstatt leistet durch Upcycles alter Drahtesel nachhaltiges. Nahe der mittelalterlichen Altstadt von Bernau mit ihren verbliebenden Fachwerkhäusern und der acht Meter hohen, umrundenden Feldstein-Stadtmauer ist schließlich die S-Bahn wieder erreicht.

S Birkenwerder (S1 S8) – S Bernau (S2): 21 km, gelbe Tour auf der Karte

Einer der beliebtesten Wander- und Badeseen Brandenburgs: Der Liepnitzsee zwischen Wandlitz und Biesenthal (Foto: Eileen Obst)

Tour 7: Überraschender Teltowkanal

Berlin wurde vom Wasser aus gebaut. So durchziehen die Stadt so viele Flüsse und Kanäle, dass sie mehr Brücken hat als Venedig. Überraschendstes Gewässer ist der fast 40 Kilometer lange Teltowkanal im Süden, der sich mit der Deindustrialisierung mächtig herausgeputzt und begrünt hat. Die Tour beginnt an einem der ältesten Flughäfen Deutschlands, dem Flugplatz Johannisthal. Der Aerodynamische Park mit Trudelturm, Windkanal, schallgedämpften Motorenprüfstand sind die verbliebenen Zeugen. Entstanden ist eine weitläufige Weide- und Wiesenlandschaft mit Stegen und Schafen. Der Stadtautobahn A113 und dem Teltowkanal folgt die schnurgerade und feinkörnig asphaltierte „Radautobahn“ dem früheren Mauerverlauf – perfekt zum Aufdrehen mit Rad und Skates.

Nach einigen Umwegen durch’s Industriegebiet Tempelhof erreichen wir den Tempelhofer Hafen mit dem mächtigen Ullsteinhaus von 1925. An der Jelbi-Station U Ullsteinstraße kannst Du Mieträder/-roller für Kanaltouren mieten.

Die Uferwege sind oftmals alte Eisenbahntrassen der Treidelbahnen. Kleine, elektrische Lokomotiven von Siemens & Halske zogen die Schiffe, zum Schutz der sandigen Sohle und zur Rauchvermeidung. Am Kanalanfang und -ende querten sie die Brücken und konnten so im Ringbetrieb fahren. Wendestelle war auch die heutige Emil-Schulz-Brücke am Hafen Lichterfelde, an der noch eine Treidellok im benachbarten Park steht.

Zur rechten Zeit: Nur zwei Wochen im April blühen die Kirschbäume in der Allee auf dem Mauerstreifen zwischen Teltow und Lichterfelde. Ein japanischer Fernsehsender hatte sie gepflanzt.

An einigen Tagen im Frühjahr – zur verzaubernden Kirschblüte – lohnt ein Abstecher auf den Mauerweg, der zwischen Lichterfelde und Teltow von einem japanischen Fernsehsender mit Kirschbäumen bepflanzt wurde. In Kleinmachnow, am Machnower See, befinden sich die Reste des Dorfangers mit Dorfkirche, Medusentor zum einstigen Rittergut und den Fundamenten des Herrenhauses und der Alten Hakeburg. 1906-1908 entstand auf der gegenüberliegenden Seeseite auf einer Anhöhe die neoromanische Neue Hakeburg. Sie thront wie ein Spukschloss und wurde oft zur Filmkulisse.

Markenzeichen des Teltowkanals ist Schleuse mit ihren mächtigen Brückenbauten der Hubtore. In Kohlhasenbrück können wir weiter westwärts am Griebnitzsee entlang zum Schlosspark Babelsberg und zur Glienicker Brücke radeln oder nordwärts am Stölpchensee, Pohlsee und Kleinen Wannsee zur S-Bahn.

S Betriebsbahnhof Schöneweide (S45 S46 S8 S85 S9) – S Wannsee (S1 S7): 47 km, mintfarbene Tour

Tour 8: Im Grunewald ist Holzauktion

„Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion“ trällert es von den Schöneberger Sängerknaben und aus alten Drehorgeln. Der heute 3.000 Hektar große Wald diente bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Holzquelle, derweil sich die reichen Villensiedlungen immer weiter in den Forst fraßen. Nach Protesten unterband in den 1910ern schließlich der Dauerwaldvertrag die weitere Rodung – und sorgte für Berlins weiten Waldbestände. Diese Villenkolonie Grunewald ist Ausgangspunkt der Grunewaldrinne, durch die sich 13 Seen und Luche ziehen: Vom Lietzensee bis zum Nikolassee. Am Ende der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren floss hier das Schmelzwasser ab.

Am Halensee laden Strandbad, FKK-Wiese und der edel-loungige Kudamm-Beach zum Baden und Chillen ein. Königssee, Dianasee und Hundekehlesee sehen wir nur hier und da, weil die Ufer umbaut sind. Am S-Bahnhof Grunewald erinnert das Mahnmal an der Verladerampe „Gleis 17“ an die Deportationszüge in die Konzentrationslager. Am Hundekehlefenn geht’s in den Wald hinein. Am Grunewaldsee residiert das älteste erhaltene Berliner Schloss, ein Renaissancebau von 1542 mit Schlossmuseum, Gemäldegalerie, Konzerten und Veranstaltungen. Vorbei am Langen Luch, Riemeisterfenn und an der Krummen Lanke geht’s zum Schlachtensee, dem größten und für viele schönsten See der Kette. An dessen Spitze die altgediente Ausflugsgaststätte Fischerhütten. Unter der S-Bahn hindurch kommen wir zur Rehwiese und zum Nikolassee.

Ein weiterer Gassenhauser aus vergangenen Zeiten begleitet unsere Tour: „Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein, und dann nischt wie raus nach Wannsee“. Das größte Freibad Berlins ist erreicht. Öffnet sich hinter dem Kassengebäude der Hangblick auf den See versprüht das Strandbad fast ein wenig mediterranes Flair mit seinem feinen Sandstrand, den weißen Segelbooten auf dem Wasser und den Villen und Wäldern auf der gegenüberliegenden Uferseite. Ein paar Stunden am Wannsee ist Urlaub für einen Tag. Lauf hinter zum FKK-Strand, bis zum Saisonende sind dort in den vergangenen Jahren immer eindrucksvolle Sandburgenstädte entstanden.

Der Weg führt nun an der Havel entlang mit ihren Sandstränden und Waldbuchten. Herrlich bei Sonnenuntergang. Der backsteinerne Grunewaldturm erinnert an den ersten deutschen Kaiser Wilhelm I. Vom 55 Meter hohen Aussichtsturm schweift der Blick über Wald, Wasser, Stadt und Land. Gegenüber bringt uns die Waldausstellung „Wald. Berlin. Klima.“ die Wirkung der Berliner Forsten näher. Hinter dem Wirtshaus Schildhorn und dem Restaurant-Schiff Alte Liebe zweigt die Verbindungsstraße Am Postfenn ab, die uns zurück zur S-Bahn nach Pichelsberg bringt.

S Halensee (S41 S42 S46) – S Pichelsberg (S5 S9): 30 km, hellgrüne Tour auf der Karte

Tour 9: Schlösser und Parks an der Havel

Das erste Abenteuer dieser Tour ist der Überfahrt mit der Wannsee-Fähre über die Havel nach Kladow (einmal pro Stunde). Vom Yachthafen aus folgen wir dem dem Uferweg durch den Königswald nach Sacrow. Wegen seiner kleinen Serpentinen durch die Buchenwälder ist es eine der schönsten Straßen Berlins. Am Schloss und Lenné-Park Sacrow steht direkt am Wasser die italienisch anmutende Heilandskirche vom königlichen Architekten Ludwig Persius. Sie ist der erste Bauwerk des UNESCO-Weltkulturerbes Potsdam/Berlin, von dem wir auf dieser Tour weitere Schlösser und Parks durchfahren.

Wir umrunden Jungfernsee und Krampnitzsee bis wir am gegenüberliegenden Ufer Schloss Cecilienhof und den Neuen Garten erreichen. In dem königlichen, englischen Landhaus wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Sommer 1945 auf der Potsdamer Konferenz die Grenzen Europas neu gezogen. Am Ufer des Heiligen Sees: Das Marmorpalais, die frühklassizistische Sommerresidenz von König Friedrich Wilhelm II. Nach einem Abstecher durchs Holländische Viertel in der Altstadt Potsdams wechseln wir am Tiefen See die Havelseite.

In Nowawes (heute Babelsberg) siedelte Friedrich der Große in den eigens errichteten, typischen Kolonistenhäusern böhmische Weber und Spinner an, die wegen ihres protestantischen Glaubens verfolgt wurden. Er lies tausende Maulbeerbäume pflanzen, um so Seide gewinnen zu können, statt sie teuer zu importieren. Gleich nebenan entstanden Schloss und Park Babelsberg als Sommersitz für den Prinzen Wilhelm, den späteren Kaiser Wilhelm I. Eindrucksvoll sind der Ausblick vom Flatowturm, die kleine Siegessäule (etwas kleiner als das Berliner Pendant), das Dampfmaschinenhaus zur Wasserversorgung der Parkbrunnen und die Gerichtslaube (die einst am Roten Rathaus in Berlin stand).

Eine schmale Brücke führt nach Klein-Glienicke mit seinem Biergarten und Eisacfé Wartmann, den Schweizer Berghäusern und dem Jagdschloss Glienicke. Nicht zu verwechseln mit dem klassizistischen, im italienischen Stil von Schinkel entworfenen Schloss und Park Glienicke nebenan. Vom Casino hat man einen feinen Blick auf den Sonnenuntergang über der Havel und über Potsdam. Eine stählerne Fachwerkbrücke führt zurück in die Landeshauptstadt. Die Glienicker Brücke wurde berühmt durch den spektakulär inszenierten Agentenaustausch von 1986, an den zuletzt der Hollywood-Blockbuster „Bridge of Spies“ erinnert.

Weiter geht’s an lauter Badebuchten und Waldstränden vorbei am bayrisch anmutenden Wirtshaus Moorlake, an der Bergkirche St. Peter und Paul und dem rustikalen Wirtshaus Pfaueninsel. Auf der Seite hört man bereits die Rufe der eindrucksvollen Fasanvögel. Eine Fähre setzt über zur Pfaueninsel mit ihrem romantischen Lustschloss, dem Kavaliershaus, Palmenhaus und der Menagerie. Zurück in Wannsee kommen wir am Bootshaus Bolle, dem Flensburger Löwendenkmal, der Max-Liebermann-Villa und dem unrühmlichen Haus der Wannsee-Konferenz vorbei.

S Wannsee (S1 S7) – S Wannsee (S1 S7): 40 km, braune Tour auf der Karte

Romantisches Rot: Sonnenuntergang am Havelufer

Tour 10: Rund um den Schwielowsee

Das Baumblütenfest ist sicher das, wofür der Berlins Obstgarten weit und breit bekannt ist. Mit seinen zahlreichen Probierständen und Fahrgeschäften. Doch um Werder zu entdecken, komm lieber an einem anderen Tag. Gleich hinter’m Bahnhof hast Du einen Blick von der Friedrichshöhe auf die Obsthänge. Schon Ende des 19. Jahrhunderts lud die ehemalige Ausflugsgaststätte die Städter zur Landpartie. Das Altstädtchen befindet sich auf einer Havelinsel mit Gässchen, Kirchlein, Schiffsanleger und Uferpromenade.

Gegenüber vom Glindower See, in den „Glindower Alpen“, befanden sich dutzende Tongruben und Ziegeleien, die hier das Baumaterial brannten, aus dem das alte Berlin besteht. 500 Ziegeleiarbeiter produzierten in der Blütezeit eine halbe Million Ziegelsteine und verschifften sie in die Hauptstadt. Heute zeigt das Ziegeleimuseum die traditionsreiche Geschichte mit ihren altehrwürdigen Brennöfen und Produktionsanlagen.

Ein bisschen Tudor, ein bisschen Maurenkastell, ein bisschen englischer Landschaftsgarten: Auch im benachbarten Petzow sorgten Schinkel und Lenné für Ruhm und Ehre des Gutsbesitzers und Amtsrats, der sein Herrenhaus zum Schloss mit Park ausbauen ließ. Der Seenuferweg führt weiter um den weitläufig von Wäldern umgebenen Schwielowsee. In der Dörfern am Ufer blitzen Seerestaurants und Bootsanleger hervor.

Den schönsten Blick auf das Gewässer hat man vom Caputher Gemünde. An der Autofähren lädt der Eisladen ein, dem geschäftigen Übersetzen zuzuschauen. Die Sommerfrische südlich von Potsdam wussten schon die märkischen Kurfürstinnen zu schätzen, die im 16./17. Jahrhundert im Schloss Caputh ihren Sommersitz hatten. Auch Albert Einstein errichtete hier, am Waldrand, sein am Wochenende zu besichtigendes Sommerhaus.

Am Templiner See entlang und zu Füßen des Brauhausberg (einst Sitz des Brandenburger Parlaments) geht es zum Potsdamer Hauptbahnhof. An der Uferstraße erinnert die 1852 von August Stüler errichtete Marienquelle ans Mariengrab von Jerusalem. Hübsch anzusehen, aber inzwischen ungeeignet zum Erfrischen. Such Dir am See ein hübsches Plätzchen für eine erfrischende Abkühlung. Vielleicht auch am Waldbad oder an der Braumanufaktur Templin. Hast Du keine Lust mehr zu Radeln, steigt ein auf die Weißen Flotte oder in ein Wassertaxi zurück in die Landeshauptstadt.

Werder/Havel (RE1) – S Potsdam Hauptbahnhof (S7 RE1 RB21 RB22): 33 km, dunkelrote Tour auf der Karte

Mit dem Rad in die S-Bahn in die Natur

Wenn Du Deinen Drahtesel mitnimmst, dann löse einen „Einzelfahrausweis Fahrrad“ für denTarifbereich Berlin AB (falls Du im Stadtgebiet bleibst). Die S-Bahnen fahren alle 10-20 Minuten nach Grünau und Friedrichshagen.

An den S-Bahnwagen erkennst Du an den großen Piktogrammen die Fahrradabteile. Es dürfen nur so viele Fahrräder in die Bahn, dass genug Platz zum Ein-/Aussteigen besteht und keine Durchgänge blockiert werden. Fahre also lieber außerhalb der Spitzenzeiten, um Deiner Mitfahrt sicher zu sein.

Falls Du kein eigenes Rad hast, miete Dir in der Innenstadt z.B. ein Nextbike über die Jelbi-App.

Danke an unsere Railtripper und Freunde Eileen, William, Bart, Alex, Martin und Tobias für die tollen Touren!
Titelbild: Radtour am Ufer des Tegeler Sees. Foto: Eileen Obst.

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Michael Bartnik
Verfasst von Michael Bartnik
Vor 20 Jahren, als ich in einem kleine Reisebüro Ferien verkaufte, brachte die Deutsche Bahn ihr legendäres Schönes-Wochenende-Ticket auf den Markt, das den Wochenendtrip viel erschwinglicher machte. Wir erfanden einen Reiseführer für Bahnausflüge.

Fotos: Michael Bartnik.